Presseberichte Hanno Edelmann 1990 bis jetzt
Bitte berühren
Der Maler, Bildhauer und Grafiker Hanno Edelmann, der mit seiner figürlichen Darstellung lange Zeit entgegen den herrschenden Kunstrichtungen der abstrakten Malerei gearbeitet hat und als eigenwilliger Einzelgänger galt, liegt seit der 'Renaissance' der gegenständlichen Kunst in den 60er Jahren wieder voll im Trend. Die alte Villa von 1902 in Rahlstedt mit ihrem verwunschenen, naturnahen Garten und die auch von innen grün berankten Fenster lassen schon einen ersten Eindruck zu; doch was mich im Innern dieser Idylle empfängt, fesselt mich so, daß ich nach einer halben Stunde noch immer im Flur stehe, bereits ohne Mantel, aber ohne bisher in die Wohngemächer vorgedrungen zu sein. Wo ich hinsehe, blicken mich Plastiken, Bilder, Skulpturen an, zu deren jeder sich eine Frage aufdrängt, die Hanno Edelmann (69) in Zwiesprache mit seiner Frau Erika nicht müde wird zu beantworten. Jeder Galerist müßte vor Neid erblassen angesichts dieser Sammlung von Kunstschätzen aus einem über dreißigjährigen Schaffen. Aus allem heraus strahlt eine schöpferische Unordnung in der Ordnung, die davon zeugt, daß die beiden Eheleute mit ihrem Werk leben, die Bronzen in die Hand nehmen, bewegen, die Gipsabdrücke mit ins Licht nehmen, um einzelne Züge besser sichtbar werden zu lassen. Eine unschätzbare Komponente, die der Sterilität und Strenge einer Galerie entgegensteht und die die Werke zu echtem Leben erweckt.Meiner redaktionellen Beflissenheit gebietet Herr Edelmann gelassen Einhalt: "Schauen Sie sich erst einmal in Ruhe um, später gehen wir dann ins Atelier..." So entdecke ich die Büste von Ida Ehre in ihrer Alterswürde und erblicke, während ich sie herumdrehe, das getreue Abbild der jugendlichen Schauspielerin; schaue in das selbstzufriedene Gesicht eines Teufelchens mit unzüchtig erhobenem Geschlechtsorgan, das, von hinten betrachtet, auf einem zähnefletschenden
Stahlhelm sitzt. Auch Adam und Eva gehören zum Reigen der Figuren, die alle mit sehr irdischen Attributen ausgestattet sind: 'Adam, mit der Schlange
liebäugelnd' heißt die Skulptur, wo Adam lüsterne Blicke hinter den Vorhang wirft, hinter dem man ein nacktes, ausgestreckt daliegendes Weib erblickt - wenn man einen Schritt hinter die Skulptur wagt. "Das ist auch Eva, doch er merkt nicht, daß es dieselbe ist wie die, die neben ihm sitzt." So deuten die Edelmanns diese Schlüsselstelle des alten Testaments - eine sehr menschliche Deutung, wie ich finde. Diese Vielgesichtigkeit der Skulpturen, die immer wieder noch eine Deutung parat haben, je nach dem Blickwinkel und dem Einfühlungsvermögen des Betrachters, ist es, die mich fasziniert. Alle diese Figuren laden nicht nur dazu ein, sie zu berühren; der Künstler fordert sogar dazu auf; welch ungewöhnliche Erfahrung in einem Metier, von dem man nur den Satz: 'Bitte nicht berühren!' gewohnt ist. In das große, helle Wohnzimmer vorgedrungen, erblicke ich eine weitere Facette im Schaffen Hanno Edelmanns: Die Entwürfe zu Fenstern in Hamburger Kirchen. Jedem Saseler Bürger werden die Rhombenfenster der Lukas-kirche gegenwärtig sein, die 12 Szenen aus dem Lu-kasevangelium figürlich darstellen. Die intensiven Farben des 4cm dicken Glases, das zusammen mit dem modernen Baustoff Beton verarbeitet ist, wechseln vom 'irdischen Rot' des ersten Fensters links über Grün und Gelb zum 'himmlischen Blau' und schließlich zum 'göttlichen Licht', wie es in der erklärenden Broschüre heißt, mit deren Hilfe man über die einzelnen Fenster Aufklärung erhält.
Eine unglaubliche Bereicherung hat das einst schmucklose Fenster der Bergstedter Friedhofskapelle durch die eindringliche Gestaltungskraft des Künstlers erfahren; auch hier wieder in strahlender Reinheit das 'himmlische Blau', in das hinein die betroffene Menschengemeinde - auch hier in 'irdisches Rot' getaucht -fragend die Hände ausstreckt. "Die Schwierigkeit, vor die ich mich immer wieder bei sakralen Szenen gestellt sehe, ist die Gestaltung der Engel: sie sollen nicht barock verniedlicht sein, nicht figürlich realistisch, und doch in ihrer abstrakteren Form als göttliche Wesen ins Auge fallen." Schon in der Lukaskirche, erst recht aber auf dem groß dimensionierten Fenster der Friedhofskapelle hat Hanno Edelmann diesen Anspruch mit seiner klaren Linienführung vorbildlich veranschaulicht. Weitere Werke des Künstlers finden wir in der Duvenstedter Cantate-Kirche, wo das bronzene Fries kürzlich eingeweiht wurde, in der Volksdorfer St. Gabriel-Kirche und in der neugotischen Kirche von St. Gertrud bei der Mundsburg, wo es Hanno Edelmann gelang, Bruchstücke alter Glas-Elemente in eine harmonische Verbindung mit seiner eigenen Formgebung zu bringen -zur großen Freude der Gemeinde, die das Vorhandene nicht missen wollte und es doch nicht restaurieren lassen konnte.
Im Atelier werden mir Tee und Kekse gereicht, zu deren Genuß ich kaum komme angesichts der großen Anzahl von Bildern, die allenthalben gestapelt stehen und die das Spektrum der Künstlerschaft um eine weitere Komponente bereichern. Hanno Edelmann malt Aquarelle und Ölbilder, fertigt Holzschnitte und Lithographien, auf denen sich immer wieder die Kritik des Künstlers an der Gesellschaft widerspiegelt. Die Verlogenheit der Menschheit, die den Politikern ebenso eigen ist wie den sensationsheischenden Medien und die bis in die Sphäre der mißgünstigen Kleinbürger hineinreicht, findet Ausdruck in den Gestalten seiner Bilder, die, oftmals in Harlekingewänder gehüllt, die Gesichter hinter Masken verborgen, ihre wahre Gesinnung verbergen. Dunkle Farben in ihrer Umgebung vervollständigen die trostlose Entfremdung des Menschen von sich selbst. Doch in des Künstlers Bildern fehlt auch die Hoffnung nicht: Vor einem Hintergrund von kraftvollem Blau beleben oft Musiker die Szene, beherrschen sie offensichtlich oder insgeheim: "Aus den Trümmern kriecht das Leben, und der Soldat vertauscht sein todbringendes Gewehr mit der Hoffnung der Kunst. Die Geige singt das Lied des Lebens, das, geschunden und getreten, neu erwacht.", sagt der Künstler in seiner Eröffnungsrede zur letzten Ausstellung in der Galerie Vivendi in Ahrensfelde. Seine Beziehung zur Musik ist eine besondere: In seiner Familie gab es viele Musiker, und auch Hanno Edelmann konnte sich zuerst nicht entscheiden für die eine oder die andere Künstlerlaufbahn. Heute komponiert er kleine Stücke für Kammerorcherster, von denen er mir einige mitgibt - zum Einüben...
Auf die Frage, wie die Titel seiner Werke Zustandekommen, geben die Edelmanns eine originelle Antwort: "Wenn uns nicht intuitiv beim Betrachten eines fertigen Bildes ein Titel einfällt, lassen wir es ohne Namen. Titel sind wir meist erst dann gezwungen zu geben, wenn eine Ausstellung bevorsteht. Dazu laden wir unsere Freunde ein, kochen ein schönes Essen und lassen die Gäste für uns 'arbeiten'. Gemeinsam finden wir meist die passenden Titel."
Eine Ausstellung hat das Künstlerehepaar in nächster Zeit nicht geplant.
Der handgeschnitzte Spruch am Hausgiebel, den sie erst wieder hinter Putzschichten hervorgeholt haben, beschreibt ein wenig die Lebenssituation dieser beiden besonderen Menschen: 'Mag draußen die Welt ihr Wesen treiben Mein Haus soll meine Ruhstatt bleiben.' Die Edelmanns sind sich selbst genug; sie ergänzen sich in ihrer schöpferischen Schaffenskraft. Erika Edelmann ist der anregende, deutende, Mut machende, auch kritisierende Pol in dem Künstlergespann (sie lernten sich beim Kunststudium am Lerchenfeld kennen), er st der schaffende Part, der die Reibung nötig braucht: 'Ohne sie kann ich nicht arbeiten". Seit nunmehr 30 Jahren leben sie 'von Kunst allein'.
"Es ist ein bescheidenes Leben.", kommentiert Erika Edelmann, "wir wissen nie, wieviel Geld wir im nächsten Monat zur Verfügung haben, aber wir kommen immer hin.".
Doch das Wesen der Welt draußen gerät bei den Edelmanns durchaus nicht in sofa-bequeme Vergessenheit. Ein aufrührerisches Bild - 'der schwarze Engel' - zeugt von ihrem engagierten Einsatz gegen den Bau von Atomkraftwerken: Es zeigt die Demonstration bei Brokdorf in biblischer Größe. Massen von Transparente tragenden Gestalten umkreisen, getrieben von schildbewehrten Schutz-Einheiten, den als Turmbau zu Babel überhöhten Kraftwerksblock; Wisenschaftler sind in ihren eigenen Reagenzgläsern gefangen. Im Vordergrund wieder der Harlekin, Symbol für die Verschleierung und Verharmlosung der Großen Gefahr. Auf einem der Transparente steht geschrieben: 'Wenn der Mensch am Abgrund steht, ist ein Schritt nach vorn nicht sehr sinnvoll' . Über allem schwebt drohend der schwarze Engel. Hier sind die Eindrücke eines verarbeitet, der mit dabei war ...
Von seinem zweiten Sohn, der Maler geworden ist wie sein Vater, unterscheidet ihn jedoch eines: "Michael glaubt, mit seinen Bildern etwas verändern zu können, während ich überzeugt bin, daß man mit Kunst nur Menschen erreichen kann, die sowieso schon auf dem Wege sind."
Kunst ist für Hanno Edelmann etwas, das mit dem Herzen gemacht werden muß, das die ganze Persönlichkeit des Künstlers fordert. So nimmt er auch nur Aufträge entgegen, wenn der Auftraggeber ihm in allem freie Hand läßt, Beschränkungen erkennt er nicht an. Seine Bilder sollen aufregen, überraschen, mitreißen, sie sollen nicht für den Augenblick genügen, sondern Zeiten überdauern. Ein großer Anspruch, den zu erfüllen er nicht ruht: "Immer, wenn ich Lust habe, arbeite ich, und da ich immer Lust habe, arbeite ich immer".
Was beide enttäuscht, ist der Mangel an Kunstliebhabern im Norden Deutschlands und die Krämerseelen der Hanseaten, deren unheilvolles Wirken sie schon schmerzhaft am eigenen 'Kunst-Leib' zu spüren bekamen: Eine bereits bezahlte Plastik - Adam und Eva - wurde nicht abgeholt, weil man sich darauf einigte, erst einmal den Ortskern neu zu gestalten. Jetzt ziert die Skulptur den Garten der Edelmanns, und "wir freuen uns, daß unsere Enkel darauf herumturnen können".
Zum Kunstverstand der Norddeutschen zitierte Hanno Edelmann in der Eröffnungsrede zu seiner letzten Ausstellung einen bekannten Bildhauer: "Kunst, ja, das Wort kommt hier nur in einem einzigen Satz vor: ' Korl, kunnst mir mol een utgeben?'"...
Christine Laub
Saseler Blätter 1992 zurück
Neue Galerie im Eutiner Schloßpark eröffnet...
Hamburger Künstler Hanno Edelmann stellt dort zur Zeit seine Werke aus
Eutin (pep) Ortsfremde müssen sich schon etwas Mühe geben, um sie zu entdecken, Eutins neueste Galerie. Dabei ist sie sehr zentral gelegen, nämlich im Schloßgarten der ehemaligen Residenz-und heutigen Kreisstadt. Aber die Mühe lohnt sich, da bei dieser Gelegenheit nicht nur die Schönheiten des umfangreichen Parkgeländes neu entdeckt werden könnten, sondern vor allem sie, die sehenswerte „Galerie Schloßgarten".
Zur Zeit werden hier Bilder und Plastiken des Hamburger Künstlers Hanno Edelmann gezeigt. Und selbst wer in dieser Hinsicht etwa „kunstmüde" geworden sein sollte (aufgrund des Überangebots in der heutigen Zeit), dürfte in Eutin angenehm überrascht werden.
Die Werke dieses Künstlers überzeugen gleichermaßen durch Vielfalt und Ausdrucksstärke. Beeindruckend ist vor allem auch die vitale Farbenfreudigkeit. Nicht alltäglich dürfte zudem das Großformat vieler Bilder sein.
Dabei ist Hanno Edelmann alles andere als ein Verfechter der Trivialkunst. Seine Werke haben einen durchweg ernsten Hintergrund - und das nicht nur rein optisch betrachtet. Er will auch den Normalbürger zeigen, der seine wahre Gesinnung gern hinter einer Maske verbirgt.
Die „Galerie Schloßgarten" ist (außer montags) täglich von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Und - der Name sagt es schon - zu finden ist sie im Eutiner Schloßpark...
1993
Hanno Edelmann stellt aus
Eröffnung Sonntag in Malte Techs Galerie Schloßgarten in Eutin
Eutin. „Eine Ausstellung seiner oft großformatigen Bilder ist wie ein sinnfreudiges Fest, bei dem das Leben als Maskerade dem Augenblick der Vergänglichkeit an-heim gegeben ist", pries ein Kritiker die Präsentation der Arbeiten von Hanno Edelmann.
Jetzt zeigt der Hamburger Künstler seine Plastiken und Malereien in Malte Techs Galerie Schloßgarten in Eutin. Die Ausstellung wird am morgigen Sonntag, um 16 Uhr eröffnet. Dabei wird Edelmann selbst über seine Arbeit sprechen.
Hanno Edelmann studierte in der zweiten Hälfte der 40er und Anfang der 50er Jahre an der Hamburger Kunsthochschule am Lerchenfeld mit einer Reihe von jungen Männern und Frauen, die heute zu den bekanntesten deutschen Künstlern zählen: Paul Wunderlich, Horst Janssen, Gisela Röhn, Viktor von Bülow alias Loriot.
Edelmann führt als Maler und Bildhauer ein eher zurückgezogenes Leben. Der 70jährige hat sich nie nach einer öffentlichen Anerkennung gedrängt. Fachleute bezeichnen ihn als einen außergewöhnlichen Künstler. Er malt Aquarelle und Ölbilder, fertigt Holzschnitte und Lithografien und Plastiken, auf denen sich immer wieder die Kritik des Künstlers an der Gesellschaft widerspiegelt.
„Die Verlogenheit der Menschheit, die den Politikern ebenso zu eigen ist wie den sensationsheischenden Medien und bis in die Sphäre der mißgünstigen Kleinbürger hineinreicht", (Edelmann) findet Ausdruck in den Gestalten seiner Bilder, die - oftmals in Harlekingewänder gehüllt - hinter Masken ihre wahre Gesinnung verbergen. Dunkle Farben in ihrer Umgebung vervollständigen die trostlose Entfremdung des Menschen vor sich selbst.
Edelmann lebt aber auch mit der Hoffnung: Vor einem Hintergrund von kräftigem Blau beleben oft Musiker die Szene, beherrschen sie offensichtlich oder insgeheim. Aus den Trümmern kriecht das Leben. Und der Soldat vertauscht sein todbringendes Gewehr mit der Hoffnung der Kunst.
In Edelmanns Bilder tauchen zuweilen die großen Künstler der Vergangenheit auf. So Leonardo, van Gogh, Rembrandt und Bonnard, die den Tod der Muse betrauern. Kunst ist für den gebürtigen Hamburger nach Aussage des Galeristen Malte Tech etwas, das mit dem Herzen gemacht werden muß, das die ganze Persönlichkeit des Künstlers fordert. Seine Bilder sollen aufregen, überraschen, mitreißen. Sie sollen nicht für den Augenblick genügen, sondern Zeiten überdauern.
Ein großer Anspruch, den zu erfüllen er nicht ruht. Edelmann hierzu: „Immer wenn ich Lust habe, arbeite ich. Und da ich immer Lust habe, arbeite ich immer." - Die Galerie Schloßgarten in der ehemaligen Orangerie ist dienstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet.
Cas
1993 zurück
Vom bronzenen Janssen fasziniert
Die erste Vernissage unter Hans-Jürgen Rumpf
150 Gäste im Amtsrichterhaus waren von Edelmann-Werken begeistert. Glückwünsche gab es auch für den neuen Chef des Amtsrichterhauses
Von Gregor Bator
Schwarzenbek. Die Vernissage war ein riesiger Erfolg: Mehr als 150 Gäste aus Schwarzenbek, Hamburg und Umgebung kamen ins Amtsrichterhaus. Anlaß: Eröffnung der Ausstellung des Hamburger Künstlers Hanno Edelmann. Mit der Präsentation - gezeigt werden Bilder, Grafik und Bronze-Skulpturen stellt sich Hans-Jürgen Rumpf als neuer Leiter des Amtsrichterhauses der Öffentlichkeit vor. Bürgermeister Gerd Krämer sagte in seiner Grußrede an die Gäste unter anderem: „Ihr Erscheinen hat den Abend zum Ereignis gemacht. Möge dies ein Zeichen für einen dauerhaften Erfolg von Hans-Jürgen Rumpf, den Freundeskreis Amtsrichterhaus und alle kunstinteressierten Gäste aus Schwarzenbek und Umgebung sein."
Rumpf: „Mein oberstes Ziel ist es, das Haus noch weiter zu öffnen."
Dann sprach der Künstler Edelmann selbst, doch nicht über seine Werke - „die müssen für sich sprechen". Stattdessen amüsierte Hanno Edelmann seine Gäste mit vortrefflichen Anmerkungen zur Entwicklung der Malerei im 20. Jahrhundert: „Wir machen keine Ausstellungsobjekte mit Plüschmöbeln und Gips- oder Plastikfiguren und nennen das dann Bordell. Wir gehören zu den Malern und Bildhauern, die wirklich noch malen. Und fühlen uns durchaus nicht als die Dinosaurier der Kunst."
Edelmann zu seinen Exponaten: „Künstler nehmen an allen gesellschaftlichen Problemen teil. Kriege, Mauerbau, Kernkraft, Träume und Reflexionen über Musik gehören dazu. Die Motiv-Wahl kennt keine Grenzen."
Wie Edelmann es versteht, dies umzusetzen, kann sich jetzt jeder selbst überzeugen. Das Amtsrichterhaus ist hierfür mittwochs, freitags und sonnabends, jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Freitags (17 Uhr) bietet Leiter Hans-Jürgen Rumpf Galerieführung und Bildbesprechung an. Für Gruppen und Vereine sind auch andere Termine nach Vereinbarung möglich. Rumpf ist unter der Telefonnummer (04151)7778 zu erreichen. Die Edelmann-Ausstellung ist bis Ostern zu sehen.
Bergedorfer Zeitung vom 17.3.1996
Für ein humanes Menschenbild in der Kunst
Hanno Edelmanns Bilder und Skulpturen zeugen von Kraft und Schönheit
Haseldorf (cel). Hanno Edelmanns Kunst ist nicht für jedermann. Grund: Die Bilder und Skulpturen des 74jährigen Hamburgers sind nicht billig und deshalb nicht ohne weiteres für jeden erschwinglich. Von seinem Preis würde der Künstler jedoch nie abweichen, denn er weiß um seinen Wert. Dieses Selbstbewußtsein spiegeln die Arbeiten wider, die seit einigen Tagen in der Galerie von Knobelsdorf zu sehen sind. Ein Blick lohnt sich allemal auch dann, wenn man keines der Werke erwerben will.
Schon die Zahl der Vernissage-Besucher gab einen Eindruck von der Popularität Edelmanns, die er nicht zuletzt seiner konstanten Haltung zur Kunst und den einfühlsamen Arbeiten verdankt. Abstrakte Malerei findet man darunter nicht, wohl aber Bilder und Bronzeskulpturen, in denen vor allem der Mensch im Mittelpunkt steht. Seine Position im Raum Bild, seine Haltung, seine Beziehung zu anderen Menschen, sein Gesicht sind die Schwerpunktthemen Hanno Edelmanns. Seine Bilder sind eingängig, gut anzuschauen auch für denjenigen, dem sich Kunst sonst nicht erschließt. Farben und Pinselstrich sorgen für eine ungeheure Dynamik, die nicht aufregt, wohl aber anregt.
Die Skulpturen sind ein Sinnenerlebnis in mehrfacher Hinsicht. Der Betrachter sieht und berührt. Herausragend. ist die Bronze mit dem Titel „Du bist schön, meine Freundin". Sie zeigt zwei Menschen in inniger Umarmung. Der Betrachter blickt durch ein Loch in einer klobigen Kugel auf das kauernde Paar und wird unweigerlich angezogen durch den Kontrast zwischen zarten Menschen und gewaltiger Kugel.
Ebenfalls einen Blick wert sind die Holzschnitte, die vor allem eines beweisen; Hanno Edelmann ist ein ausgesprochen vielseitiger Künstler, der auch als guter Komponist und Musiker gilt.
Seine Bilder sind ein klares Bekenntnis, zu Humanität in der Kunst, zu dem Menschen als einem Gebilde von besonderer Perfektion. Und das machte Hanno Edelmann auch während seiner Rede anläßlich der Vernissage in Haseldorf sehr deutlich: ,;ich habe viele kaputte und. verstümmelte Menschen gesehen und war deshalb immer bestrebt, sie auf meine Weise wieder ganz zu machen. Deshalb hätte ich auch zu keiner Zeit abstrakt malen wollen, denn das wäre so gut wie eine Flucht vor mir selber gewesen."
Die Werke Hanno Edelmanns sind noch bis zum 30. November in der Galerie von Knobelsdorf zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung jeweils, mitwochs, sonnabends und sonntags von 15 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung.
1997
Wer den Papp-Pierrot tatsächlich spielen hört
HAMBURG
G. Weber-Heydemann
Auf einer Hauptstraße um die Ecke flutet der Verkehr vorbei, wenige Meter weiter im Haus von Erika und Hanno Edelmann, in dem mit grünen Majolikakacheln ausgestatteten Flur, sitzt ein musizierender Papp-Pierrot. „Schenken Sie ihm einen Pfennig", bittet der Hausherr und weist auf die Schale mit Münzen zu Füßen der Figur. „Vielleicht hören Sie ihn dann spielen, wenn Sie nachher gehen", ergänzt Erika Edelmann und führt den Besucher durch die Diele mit den vielen Bronzen, die. ihr Mann modelliert hat.; Da ist ein Kopf von Horst Janssen, der von vorn das bekannte Gesicht mit dem Kneifer auf der Nase zeigt, die Rückseite der Plastik dagegen birgt den Totenschädel des verstorbenen. Künstlers. Hanno Edelmann konzipiert seine Modelle für den Guß nicht wie ein Relief, erhaben auf der Vorder- und glatt auf der Rückseite, sondern er gestaltet sie komplett. So auch den Kopf der Medusa, um deren Haupt sich hier nicht Schlangen, sondern stattdessen Menschengestalten, winden.
Beim Blättern in Skizzenbüchern und Ausstellungskatalogen Hanno Edelmanns ergibt sich seine Biographie wie von selbst. Während der Besucher den Blick über Unmengen halbverpackter Bilder gehen und dann auf drei angefangene Arbeiten, die auf Staffelleien stehen, ruhen läßt, erfährt er, daß des Künstlers Interesse an .Malerei durch die im Dritten Reich als „Entartete Kunst" bezeichneten Objekte geweckt wurde.
Trotzdem schwankte der Junge, der mit zehn Abendkurse an der Hansischen Hochschule für Bildende Kunst besuchte und mit elf bei einem Rumänen das Radieren lernte, ob er nicht doch Musiker werden sollte. Er bekam Geigenunterricht, entschied sich aber doch für die Malerei. Später schenkte ihm seine Frau, die Sologeigen-spiel nicht möchte, eine Querflöte, und Hanno Edelmann beherrscht auch dieses Instrument.
Zeitkritische Themen fordern ihn immer wieder zur Umsetzung in Bilder und Figuren heraus. Der vom Klerus scharf diskutierte Paragraph 218 veranlaßte Hanno Edelmann zur Darstellung einer Kardinalsrunde mit einem schwarzen Baby mitten auf dem Tisch.
,, Nicht zuletzt trug die lange Gefangenschaft in Sibirien dazu bei, den Blick der blauen Äugen des 74jährigen, die von einer unglaublichen Lebendigkeit sind, zu schärfen. Die unvergleichliche Farbenpracht seiner Ölbilder, vielfach Porträts, entzücken jeden Kunstliebhaber. Einer der offensichtlichen Tricks dieser Bilder ist die vordergründige Personendarstellung, während der Hintergrund leer und geheimnisvoll bleibt.
In den Aquarellen geben sich Gedanken und Ideen ein abwechslungsreiches, Stelldichein. Für diese. Arbeiten benutzt der Maler, ein spezielles Papier und fast verschmitzt bekennt er, daß er sich vor langer Zeit entschloß, um des Effektes willen die künstlerischen Gesetze des Aquarellierens zu übertreten. Noch ein Blick aus dem Atelierfenster auf den blühenden Rittersporn im Garten, und auch die ideale Gesprächspartnerin, kritisch, liebevoll, flexibel und präsent.
„Mutter und Tochter" ist. eine Figur, in der die Jüngere unter der Dominanz der Älteren leidet. Da steht ein Rabbi, eine Büste von Papst Pius XII, dessen Verstrickung in die Politik Hitlers den Künstler sehr beschäftigte. Bizarre, abstrakte, erkennbare und phantastische Figuren geben sich auf Regalen und in Vitrinen ein Stelldichein. Hanno Edelmann .lebt in Hamburg. Aber auch den Kunstfreunden in Schleswig-Holstein und über die Bundesgrenzen hinaus ist er ein Begriff. Vor kurzem stellte er seine Werke im Reinbeker Schloß aus, was dem Erfolggewohnten wieder neue Bewunderer einbrachte. Dann geht der Weg zurück, an den stummen Bronzen und dem Pierrot vorbei, hinaus auf die Straße. Erst die Realität macht dem Besucher klar, daß die Welt, in der er sich nun wieder befindet, nicht mehr die selbe ist, die er vor drei Stunden verließ. Er ist vom künstlerischen Geist zweier Menschen berührt worden, durch die sich sein Blick auf die Dinge, auf das Leben verändert und ihn für unbestimmte Zeit verzaubert hat. Und er ist sich nicht einmal sicher,. ob er nicht während der Schritte zum Gartentor den Pierrot tatsächlich spielen hört.
Stormaner Tageblatt vom 15.7.1997 zurück
Bilder wie farbige Akkorde
e.p. Hamburg Erlebnis, Erinnerung. Phantasie - aus diesen Quellen speist sich der Strom seiner Bilder. Heute wird Hanno Edelmann 75 Jahre alt, und sein Haus ist übersät mit Malerei, Druckgrafik und Plastik. Einen winzigen Bruchteil aus diesem Lebenswerk zeigt der Rahlstedter Buchhändler und Galerist Peter Blänsdorf anläßlich des Geburtstags des von ihm schon seit langem betreuten Künstlers.
Edelmann bezeichnet sich als Menschenmaler, bei dem die Landschaft nur dann zu finden ist, wenn ihr „Erlebnis ganz toll war". Mehr beeindrucken ihn die Beziehungen zwischen einzelnen Personen oder innerhalb von kleinen Gruppen. Sie sitzen meist in sich versunken da, mit träumerischer Miene, und nur ihre Körperhaltung, die Neigung des Kopfes oder eine Geste lassen ahnen, daß sie in psychischer Korrespondenz stehen.
Das Unausgesprochene, Andeutende in diesen Bildern wird unterstützt von einem fast transparenten Farbgewebe, das dennoch eine höchst intensive Ausstrahlung besitzt. Das Lokalkolorit verliert dabei seine Bedeutung. Jedes Bild ist auf einen Farbakkord gestimmt. Auch das grelle Rot gehört immer noch dazu, wie schon vor Jahrzehnten, als Edelmann sein Herz an Griechenland verloren hatte.
„Meine geheime Sehnsucht aber war immer Italien, doch ich fürchtete mich vor dem riesigen Kulturerbe", sagt Edelmann. Seit er es 1979 trotzdem wagte, seinen Fuß nach Venedig zu setzen, hat er nur noch Sinn für dessen berühmtes Licht, unter dem sich die zuvor dunkle Schwere seiner Farben aufhellte. Und er begab sich auf Neuland, auf das Gebiet der Plastik. Auch hier kreist sein bildnerisches Denken nur um die menschliche Figur und das Porträt, für das bei Blänsdorf exemplarisch eine kongenial empfundene Büste Horst Janssens steht. Schweriner Straße 12, bis 31.12., mo-fr 10-18, sbd 10-14 Uhr.
Hamburger Abendblatt vom 18.11.1998
Presseberichte Hanno Edelmann 1990 - 1999
Bitte berühren
Der Maler, Bildhauer und Grafiker Hanno Edel mann, der mit seiner figürlichen Darstellung lange Zeit entgegen den herrschenden Kunstrichtungen der abstrakten Malerei gearbeitet hat und als eigenwilliger Einzelgänger galt, liegt seit der 'Renaissance' der gegenständlichen Kunst in den 60er Jahren wieder voll im Trend. Die alte Villa von 1902 in Rahlstedt mit ihrem verwunschenen, naturnahen Garten und die auch von innen grün berankten Fenster lassen schon einen ersten Eindruck zu; doch was mich im Innern dieser Idylle empfängt, fesselt mich so, daß ich nach einer halben Stunde noch immer im Flur stehe, bereits ohne Mantel, aber ohne bisher in die Wohngemächer vorgedrungen zu sein. Wo ich hinsehe, blicken mich Plastiken, Bilder, Skulpturen an, zu deren jeder sich eine Frage aufdrängt, die Hanno Edelmann (69) in Zwiesprache mit seiner Frau Erika nicht müde wird zu beantworten. Jeder Galerist müßte vor Neid erblassen angesichts dieser Sammlung von Kunstschätzen aus einem über dreißigjährigen Schaffen. Aus allem heraus strahlt eine schöpferische Unordnung in der Ordnung, die davon zeugt, daß die beiden Eheleute mit ihrem Werk leben, die Bronzen in die Hand nehmen, bewegen, die Gipsabdrücke mit ins Licht nehmen, um einzelne Züge besser sichtbar werden zu lassen. Eine unschätzbare Komponente, die der Sterilität und Strenge einer Galerie entgegensteht und die die Werke zu echtem Leben erweckt.Meiner redaktionellen Beflissenheit gebietet Herr Edelmann gelassen Einhalt: "Schauen Sie sich erst einmal in Ruhe um, später gehen wir dann ins Atelier..." So entdecke ich die Büste von Ida Ehre in ihrer Alterswürde und erblicke, während ich sie herumdrehe, das getreue Abbild der jugendlichen Schauspielerin; schaue in das selbstzufriedene Gesicht eines Teufelchens mit unzüchtig erhobenem Geschlechtsorgan, das, von hinten betrachtet, auf einem zähnefletschenden
Stahlhelm sitzt. Auch Adam und Eva gehören zum Reigen der Figuren, die alle mit sehr irdischen Attributen ausgestattet sind: 'Adam, mit der Schlange
liebäugelnd' heißt die Skulptur, wo Adam lüsterne Blicke hinter den Vorhang wirft, hinter dem man ein nacktes, ausgestreckt daliegendes Weib erblickt - wenn man einen Schritt hinter die Skulptur wagt. "Das ist auch Eva, doch er merkt nicht, daß es dieselbe ist wie die, die neben ihm sitzt." So deuten die Edelmanns diese Schlüsselstelle des alten Testaments - eine sehr menschliche Deutung, wie ich finde. Diese Vielgesichtigkeit der Skulpturen, die immer wieder noch eine Deutung parat haben, je nach dem Blickwinkel und dem Einfühlungsvermögen des Betrachters, ist es, die mich fasziniert. Alle diese Figuren laden nicht nur dazu ein, sie zu berühren; der Künstler fordert sogar dazu auf; welch ungewöhnliche Erfahrung in einem Metier, von dem man nur den Satz: 'Bitte nicht berühren!' gewohnt ist. In das große, helle Wohnzimmer vorgedrungen, erblicke ich eine weitere Facette im Schaffen Hanno Edelmanns: Die Entwürfe zu Fenstern in Hamburger Kirchen. Jedem Saseler Bürger werden die Rhombenfenster der Lukas-kirche gegenwärtig sein, die 12 Szenen aus dem Lu-kasevangelium figürlich darstellen. Die intensiven Farben des 4cm dicken Glases, das zusammen mit dem modernen Baustoff Beton verarbeitet ist, wechseln vom 'irdischen Rot' des ersten Fensters links über Grün und Gelb zum 'himmlischen Blau' und schließlich zum 'göttlichen Licht', wie es in der erklärenden Broschüre heißt, mit deren Hilfe man über die einzelnen Fenster Aufklärung erhält.
Eine unglaubliche Bereicherung hat das einst schmucklose Fenster der Bergstedter Friedhofskapelle durch die eindringliche Gestaltungskraft des Künstlers erfahren; auch hier wieder in strahlender Reinheit das 'himmlische Blau', in das hinein die betroffene Menschengemeinde - auch hier in 'irdisches Rot' getaucht -fragend die Hände ausstreckt. "Die Schwierigkeit, vor die ich mich immer wieder bei sakralen Szenen gestellt sehe, ist die Gestaltung der Engel: sie sollen nicht barock verniedlicht sein, nicht figürlich realistisch, und doch in ihrer abstrakteren Form als göttliche Wesen ins Auge fallen." Schon in der Lukaskirche, erst recht aber auf dem groß dimensionierten Fenster der Friedhofskapelle hat Hanno Edelmann diesen Anspruch mit seiner klaren Linienführung vorbildlich veranschaulicht. Weitere Werke des Künstlers finden wir in der Duvenstedter Cantate-Kirche, wo das bronzene Fries kürzlich eingeweiht wurde, in der Volksdorfer St. Gabriel-Kirche und in der neugotischen Kirche von St. Gertrud bei der Mundsburg, wo es Hanno Edelmann gelang, Bruchstücke alter Glas-Elemente in eine harmonische Verbindung mit seiner eigenen Formgebung zu bringen -zur großen Freude der Gemeinde, die das Vorhandene nicht missen wollte und es doch nicht restaurieren lassen konnte.
Im Atelier werden mir Tee und Kekse gereicht, zu deren Genuß ich kaum komme angesichts der großen Anzahl von Bildern, die allenthalben gestapelt stehen und die das Spektrum der Künstlerschaft um eine weitere Komponente bereichern. Hanno Edelmann malt Aquarelle und Ölbilder, fertigt Holzschnitte und Lithographien, auf denen sich immer wieder die Kritik des Künstlers an der Gesellschaft widerspiegelt. Die Verlogenheit der Menschheit, die den Politikern ebenso eigen ist wie den sensationsheischenden Medien und die bis in die Sphäre der mißgünstigen Kleinbürger hineinreicht, findet Ausdruck in den Gestalten seiner Bilder, die, oftmals in Harlekingewänder gehüllt, die Gesichter hinter Masken verborgen, ihre wahre Gesinnung verbergen. Dunkle Farben in ihrer Umgebung vervollständigen die trostlose Entfremdung des Menschen von sich selbst. Doch in des Künstlers Bildern fehlt auch die Hoffnung nicht: Vor einem Hintergrund von kraftvollem Blau beleben oft Musiker die Szene, beherrschen sie offensichtlich oder insgeheim: "Aus den Trümmern kriecht das Leben, und der Soldat vertauscht sein todbringendes Gewehr mit der Hoffnung der Kunst. Die Geige singt das Lied des Lebens, das, geschunden und getreten, neu erwacht.", sagt der Künstler in seiner Eröffnungsrede zur letzten Ausstellung in der Galerie Vivendi in Ahrensfelde. Seine Beziehung zur Musik ist eine besondere: In seiner Familie gab es viele Musiker, und auch Hanno Edelmann konnte sich zuerst nicht entscheiden für die eine oder die andere Künstlerlaufbahn. Heute komponiert er kleine Stücke für Kammerorcherster, von denen er mir einige mitgibt - zum Einüben...
Auf die Frage, wie die Titel seiner Werke Zustandekommen, geben die Edelmanns eine originelle Antwort: "Wenn uns nicht intuitiv beim Betrachten eines fertigen Bildes ein Titel einfällt, lassen wir es ohne Namen. Titel sind wir meist erst dann gezwungen zu geben, wenn eine Ausstellung bevorsteht. Dazu laden wir unsere Freunde ein, kochen ein schönes Essen und lassen die Gäste für uns 'arbeiten'. Gemeinsam finden wir meist die passenden Titel."
Eine Ausstellung hat das Künstlerehepaar in nächster Zeit nicht geplant.
Der handgeschnitzte Spruch am Hausgiebel, den sie erst wieder hinter Putzschichten hervorgeholt haben, beschreibt ein wenig die Lebenssituation dieser beiden besonderen Menschen: 'Mag draußen die Welt ihr Wesen treiben Mein Haus soll meine Ruhstatt bleiben.' Die Edelmanns sind sich selbst genug; sie ergänzen sich in ihrer schöpferischen Schaffenskraft. Erika Edelmann ist der anregende, deutende, Mut machende, auch kritisierende Pol in dem Künstlergespann (sie lernten sich beim Kunststudium am Lerchenfeld kennen), er st der schaffende Part, der die Reibung nötig braucht: 'Ohne sie kann ich nicht arbeiten". Seit nunmehr 30 Jahren leben sie 'von Kunst allein'.
"Es ist ein bescheidenes Leben.", kommentiert Erika Edelmann, "wir wissen nie, wieviel Geld wir im nächsten Monat zur Verfügung haben, aber wir kommen immer hin.".
Doch das Wesen der Welt draußen gerät bei den Edelmanns durchaus nicht in sofa-bequeme Vergessenheit. Ein aufrührerisches Bild - 'der schwarze Engel' - zeugt von ihrem engagierten Einsatz gegen den Bau von Atomkraftwerken: Es zeigt die Demonstration bei Brokdorf in biblischer Größe. Massen von Transparente tragenden Gestalten umkreisen, getrieben von schildbewehrten Schutz-Einheiten, den als Turmbau zu Babel überhöhten Kraftwerksblock; Wisenschaftler sind in ihren eigenen Reagenzgläsern gefangen. Im Vordergrund wieder der Harlekin, Symbol für die Verschleierung und Verharmlosung der Großen Gefahr. Auf einem der Transparente steht geschrieben: 'Wenn der Mensch am Abgrund steht, ist ein Schritt nach vorn nicht sehr sinnvoll' . Über allem schwebt drohend der schwarze Engel. Hier sind die Eindrücke eines verarbeitet, der mit dabei war ...
Von seinem zweiten Sohn, der Maler geworden ist wie sein Vater, unterscheidet ihn jedoch eines: "Michael glaubt, mit seinen Bildern etwas verändern zu können, während ich überzeugt bin, daß man mit Kunst nur Menschen erreichen kann, die sowieso schon auf dem Wege sind."
Kunst ist für Hanno Edelmann etwas, das mit dem Herzen gemacht werden muß, das die ganze Persönlichkeit des Künstlers fordert. So nimmt er auch nur Aufträge entgegen, wenn der Auftraggeber ihm in allem freie Hand läßt, Beschränkungen erkennt er nicht an. Seine Bilder sollen aufregen, überraschen, mitreißen, sie sollen nicht für den Augenblick genügen, sondern Zeiten überdauern. Ein großer Anspruch, den zu erfüllen er nicht ruht: "Immer, wenn ich Lust habe, arbeite ich, und da ich immer Lust habe, arbeite ich immer".
Was beide enttäuscht, ist der Mangel an Kunstliebhabern im Norden Deutschlands und die Krämerseelen der Hanseaten, deren unheilvolles Wirken sie schon schmerzhaft am eigenen 'Kunst-Leib' zu spüren bekamen: Eine bereits bezahlte Plastik - Adam und Eva - wurde nicht abgeholt, weil man sich darauf einigte, erst einmal den Ortskern neu zu gestalten. Jetzt ziert die Skulptur den Garten der Edelmanns, und "wir freuen uns, daß unsere Enkel darauf herumturnen können".
Zum Kunstverstand der Norddeutschen zitierte Hanno Edelmann in der Eröffnungsrede zu seiner letzten Ausstellung einen bekannten Bildhauer: "Kunst, ja, das Wort kommt hier nur in einem einzigen Satz vor: ' Korl, kunnst mir mol een utgeben?'"...
Christine Laub
Saseler Blätter 1992
Neue Galerie im Eutiner Schloßpark eröffnet...
Hamburger Künstler Hanno Edelmann stellt dort zur Zeit seine Werke aus
Eutin (pep) Ortsfremde müssen sich schon etwas Mühe geben, um sie zu entdecken, Eutins neueste Galerie. Dabei ist sie sehr zentral gelegen, nämlich im Schloßgarten der ehemaligen Residenz-und heutigen Kreisstadt. Aber die Mühe lohnt sich, da bei dieser Gelegenheit nicht nur die Schönheiten des umfangreichen Parkgeländes neu entdeckt werden könnten, sondern vor allem sie, die sehenswerte „Galerie Schloßgarten".
Zur Zeit werden hier Bilder und Plastiken des Hamburger Künstlers Hanno Edelmann gezeigt. Und selbst wer in dieser Hinsicht etwa „kunstmüde" geworden sein sollte (aufgrund des Überangebots in der heutigen Zeit), dürfte in Eutin angenehm überrascht werden.
Die Werke dieses Künstlers überzeugen gleichermaßen durch Vielfalt und Ausdrucksstärke. Beeindruckend ist vor allem auch die vitale Farbenfreudigkeit. Nicht alltäglich dürfte zudem das Großformat vieler Bilder sein.
Dabei ist Hanno Edelmann alles andere als ein Verfechter der Trivialkunst. Seine Werke haben einen durchweg ernsten Hintergrund - und das nicht nur rein optisch betrachtet. Er will auch den Normalbürger zeigen, der seine wahre Gesinnung gern hinter einer Maske verbirgt.
Die „Galerie Schloßgarten" ist (außer montags) täglich von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Und - der Name sagt es schon - zu finden ist sie im Eutiner Schloßpark...
1993 zurück
Hanno Edelmann stellt aus
Eröffnung Sonntag in Malte Techs Galerie Schloßgarten in Eutin
Eutin. „Eine Ausstellung seiner oft großformatigen Bilder ist wie ein sinnfreudiges Fest, bei dem das Leben als Maskerade dem Augenblick der Vergänglichkeit an-heim gegeben ist", pries ein Kritiker die Präsentation der Arbeiten von Hanno Edelmann.
Jetzt zeigt der Hamburger Künstler seine Plastiken und Malereien in Malte Techs Galerie Schloßgarten in Eutin. Die Ausstellung wird am morgigen Sonntag, um 16 Uhr eröffnet. Dabei wird Edelmann selbst über seine Arbeit sprechen.
Hanno Edelmann studierte in der zweiten Hälfte der 40er und Anfang der 50er Jahre an der Hamburger Kunsthochschule am Lerchenfeld mit einer Reihe von jungen Männern und Frauen, die heute zu den bekanntesten deutschen Künstlern zählen: Paul Wunderlich, Horst Janssen, Gisela Röhn, Viktor von Bülow alias Loriot.
Edelmann führt als Maler und Bildhauer ein eher zurückgezogenes Leben. Der 70jährige hat sich nie nach einer öffentlichen Anerkennung gedrängt. Fachleute bezeichnen ihn als einen außergewöhnlichen Künstler. Er malt Aquarelle und Ölbilder, fertigt Holzschnitte und Lithografien und Plastiken, auf denen sich immer wieder die Kritik des Künstlers an der Gesellschaft widerspiegelt.
„Die Verlogenheit der Menschheit, die den Politikern ebenso zu eigen ist wie den sensationsheischenden Medien und bis in die Sphäre der mißgünstigen Kleinbürger hineinreicht", (Edelmann) findet Ausdruck in den Gestalten seiner Bilder, die - oftmals in Harlekingewänder gehüllt - hinter Masken ihre wahre Gesinnung verbergen. Dunkle Farben in ihrer Umgebung vervollständigen die trostlose Entfremdung des Menschen vor sich selbst.
Edelmann lebt aber auch mit der Hoffnung: Vor einem Hintergrund von kräftigem Blau beleben oft Musiker die Szene, beherrschen sie offensichtlich oder insgeheim. Aus den Trümmern kriecht das Leben. Und der Soldat vertauscht sein todbringendes Gewehr mit der Hoffnung der Kunst.
In Edelmanns Bilder tauchen zuweilen die großen Künstler der Vergangenheit auf. So Leonardo, van Gogh, Rembrandt und Bonnard, die den Tod der Muse betrauern. Kunst ist für den gebürtigen Hamburger nach Aussage des Galeristen Malte Tech etwas, das mit dem Herzen gemacht werden muß, das die ganze Persönlichkeit des Künstlers fordert. Seine Bilder sollen aufregen, überraschen, mitreißen. Sie sollen nicht für den Augenblick genügen, sondern Zeiten überdauern.
Ein großer Anspruch, den zu erfüllen er nicht ruht. Edelmann hierzu: „Immer wenn ich Lust habe, arbeite ich. Und da ich immer Lust habe, arbeite ich immer." - Die Galerie Schloßgarten in der ehemaligen Orangerie ist dienstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet.
Cas
1993
Vom bronzenen Janssen fasziniert
Die erste Vernissage unter Hans-Jürgen Rumpf
150 Gäste im Amtsrichterhaus waren von Edelmann-Werken begeistert. Glückwünsche gab es auch für den neuen Chef des Amtsrichterhauses
Von Gregor Bator
Schwarzenbek. Die Vernissage war ein riesiger Erfolg: Mehr als 150 Gäste aus Schwarzenbek, Hamburg und Umgebung kamen ins Amtsrichterhaus. Anlaß: Eröffnung der Ausstellung des Hamburger Künstlers Hanno Edelmann. Mit der Präsentation - gezeigt werden Bilder, Grafik und Bronze-Skulpturen stellt sich Hans-Jürgen Rumpf als neuer Leiter des Amtsrichterhauses der Öffentlichkeit vor. Bürgermeister Gerd Krämer sagte in seiner Grußrede an die Gäste unter anderem: „Ihr Erscheinen hat den Abend zum Ereignis gemacht. Möge dies ein Zeichen für einen dauerhaften Erfolg von Hans-Jürgen Rumpf, den Freundeskreis Amtsrichterhaus und alle kunstinteressierten Gäste aus Schwarzenbek und Umgebung sein."
Rumpf: „Mein oberstes Ziel ist es, das Haus noch weiter zu öffnen."
Dann sprach der Künstler Edelmann selbst, doch nicht über seine Werke - „die müssen für sich sprechen". Stattdessen amüsierte Hanno Edelmann seine Gäste mit vortrefflichen Anmerkungen zur Entwicklung der Malerei im 20. Jahrhundert: „Wir machen keine Ausstellungsobjekte mit Plüschmöbeln und Gips- oder Plastikfiguren und nennen das dann Bordell. Wir gehören zu den Malern und Bildhauern, die wirklich noch malen. Und fühlen uns durchaus nicht als die Dinosaurier der Kunst."
Edelmann zu seinen Exponaten: „Künstler nehmen an allen gesellschaftlichen Problemen teil. Kriege, Mauerbau, Kernkraft, Träume und Reflexionen über Musik gehören dazu. Die Motiv-Wahl kennt keine Grenzen."
Wie Edelmann es versteht, dies umzusetzen, kann sich jetzt jeder selbst überzeugen. Das Amtsrichterhaus ist hierfür mittwochs, freitags und sonnabends, jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Freitags (17 Uhr) bietet Leiter Hans-Jürgen Rumpf Galerieführung und Bildbesprechung an. Für Gruppen und Vereine sind auch andere Termine nach Vereinbarung möglich. Rumpf ist unter der Telefonnummer (04151)7778 zu erreichen. Die Edelmann-Ausstellung ist bis Ostern zu sehen.
Bergedorfer Zeitung vom 17.3.1996
Für ein humanes Menschenbild in der Kunst
Hanno Edelmanns Bilder und Skulpturen zeugen von Kraft und Schönheit
Haseldorf (cel). Hanno Edelmanns Kunst ist nicht für jedermann. Grund: Die Bilder und Skulpturen des 74jährigen Hamburgers sind nicht billig und deshalb nicht ohne weiteres für jeden erschwinglich. Von seinem Preis würde der Künstler jedoch nie abweichen, denn er weiß um seinen Wert. Dieses Selbstbewußtsein spiegeln die Arbeiten wider, die seit einigen Tagen in der Galerie von Knobelsdorf zu sehen sind. Ein Blick lohnt sich allemal auch dann, wenn man keines der Werke erwerben will.
Schon die Zahl der Vernissage-Besucher gab einen Eindruck von der Popularität Edelmanns, die er nicht zuletzt seiner konstanten Haltung zur Kunst und den einfühlsamen Arbeiten verdankt. Abstrakte Malerei findet man darunter nicht, wohl aber Bilder und Bronzeskulpturen, in denen vor allem der Mensch im Mittelpunkt steht. Seine Position im Raum Bild, seine Haltung, seine Beziehung zu anderen Menschen, sein Gesicht sind die Schwerpunktthemen Hanno Edelmanns. Seine Bilder sind eingängig, gut anzuschauen auch für denjenigen, dem sich Kunst sonst nicht erschließt. Farben und Pinselstrich sorgen für eine ungeheure Dynamik, die nicht aufregt, wohl aber anregt.
Die Skulpturen sind ein Sinnenerlebnis in mehrfacher Hinsicht. Der Betrachter sieht und berührt. Herausragend. ist die Bronze mit dem Titel „Du bist schön, meine Freundin". Sie zeigt zwei Menschen in inniger Umarmung. Der Betrachter blickt durch ein Loch in einer klobigen Kugel auf das kauernde Paar und wird unweigerlich angezogen durch den Kontrast zwischen zarten Menschen und gewaltiger Kugel.
Ebenfalls einen Blick wert sind die Holzschnitte, die vor allem eines beweisen; Hanno Edelmann ist ein ausgesprochen vielseitiger Künstler, der auch als guter Komponist und Musiker gilt.
Seine Bilder sind ein klares Bekenntnis, zu Humanität in der Kunst, zu dem Menschen als einem Gebilde von besonderer Perfektion. Und das machte Hanno Edelmann auch während seiner Rede anläßlich der Vernissage in Haseldorf sehr deutlich: ,;ich habe viele kaputte und. verstümmelte Menschen gesehen und war deshalb immer bestrebt, sie auf meine Weise wieder ganz zu machen. Deshalb hätte ich auch zu keiner Zeit abstrakt malen wollen, denn das wäre so gut wie eine Flucht vor mir selber gewesen."
Die Werke Hanno Edelmanns sind noch bis zum 30. November in der Galerie von Knobelsdorf zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung jeweils, mitwochs, sonnabends und sonntags von 15 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung.
1997
Wer den Papp-Pierrot tatsächlich spielen hört
HAMBURG
G. Weber-Heydemann
Auf einer Hauptstraße um die Ecke flutet der Verkehr vorbei, wenige Meter weiter im Haus von Erika und Hanno Edelmann, in dem mit grünen Majolikakacheln ausgestatteten Flur, sitzt ein musizierender Papp-Pierrot. „Schenken Sie ihm einen Pfennig", bittet der Hausherr und weist auf die Schale mit Münzen zu Füßen der Figur. „Vielleicht hören Sie ihn dann spielen, wenn Sie nachher gehen", ergänzt Erika Edelmann und führt den Besucher durch die Diele mit den vielen Bronzen, die. ihr Mann modelliert hat.; Da ist ein Kopf von Horst Janssen, der von vorn das bekannte Gesicht mit dem Kneifer auf der Nase zeigt, die Rückseite der Plastik dagegen birgt den Totenschädel des verstorbenen. Künstlers. Hanno Edelmann konzipiert seine Modelle für den Guß nicht wie ein Relief, erhaben auf der Vorder- und glatt auf der Rückseite, sondern er gestaltet sie komplett. So auch den Kopf der Medusa, um deren Haupt sich hier nicht Schlangen, sondern stattdessen Menschengestalten, winden.
Beim Blättern in Skizzenbüchern und Ausstellungskatalogen Hanno Edelmanns ergibt sich seine Biographie wie von selbst. Während der Besucher den Blick über Unmengen halbverpackter Bilder gehen und dann auf drei angefangene Arbeiten, die auf Staffelleien stehen, ruhen läßt, erfährt er, daß des Künstlers Interesse an .Malerei durch die im Dritten Reich als „Entartete Kunst" bezeichneten Objekte geweckt wurde.
Trotzdem schwankte der Junge, der mit zehn Abendkurse an der Hansischen Hochschule für Bildende Kunst besuchte und mit elf bei einem Rumänen das Radieren lernte, ob er nicht doch Musiker werden sollte. Er bekam Geigenunterricht, entschied sich aber doch für die Malerei. Später schenkte ihm seine Frau, die Sologeigen-spiel nicht möchte, eine Querflöte, und Hanno Edelmann beherrscht auch dieses Instrument.
Zeitkritische Themen fordern ihn immer wieder zur Umsetzung in Bilder und Figuren heraus. Der vom Klerus scharf diskutierte Paragraph 218 veranlaßte Hanno Edelmann zur Darstellung einer Kardinalsrunde mit einem schwarzen Baby mitten auf dem Tisch.
,, Nicht zuletzt trug die lange Gefangenschaft in Sibirien dazu bei, den Blick der blauen Äugen des 74jährigen, die von einer unglaublichen Lebendigkeit sind, zu schärfen. Die unvergleichliche Farbenpracht seiner Ölbilder, vielfach Porträts, entzücken jeden Kunstliebhaber. Einer der offensichtlichen Tricks dieser Bilder ist die vordergründige Personendarstellung, während der Hintergrund leer und geheimnisvoll bleibt.
In den Aquarellen geben sich Gedanken und Ideen ein abwechslungsreiches, Stelldichein. Für diese. Arbeiten benutzt der Maler, ein spezielles Papier und fast verschmitzt bekennt er, daß er sich vor langer Zeit entschloß, um des Effektes willen die künstlerischen Gesetze des Aquarellierens zu übertreten. Noch ein Blick aus dem Atelierfenster auf den blühenden Rittersporn im Garten, und auch die ideale Gesprächspartnerin, kritisch, liebevoll, flexibel und präsent.
„Mutter und Tochter" ist. eine Figur, in der die Jüngere unter der Dominanz der Älteren leidet. Da steht ein Rabbi, eine Büste von Papst Pius XII, dessen Verstrickung in die Politik Hitlers den Künstler sehr beschäftigte. Bizarre, abstrakte, erkennbare und phantastische Figuren geben sich auf Regalen und in Vitrinen ein Stelldichein. Hanno Edelmann .lebt in Hamburg. Aber auch den Kunstfreunden in Schleswig-Holstein und über die Bundesgrenzen hinaus ist er ein Begriff. Vor kurzem stellte er seine Werke im Reinbeker Schloß aus, was dem Erfolggewohnten wieder neue Bewunderer einbrachte. Dann geht der Weg zurück, an den stummen Bronzen und dem Pierrot vorbei, hinaus auf die Straße. Erst die Realität macht dem Besucher klar, daß die Welt, in der er sich nun wieder befindet, nicht mehr die selbe ist, die er vor drei Stunden verließ. Er ist vom künstlerischen Geist zweier Menschen berührt worden, durch die sich sein Blick auf die Dinge, auf das Leben verändert und ihn für unbestimmte Zeit verzaubert hat. Und er ist sich nicht einmal sicher,. ob er nicht während der Schritte zum Gartentor den Pierrot tatsächlich spielen hört.
Stormaner Tageblatt vom 15.7.1997
Bilder wie farbige Akkorde
e.p. Hamburg Erlebnis, Erinnerung. Phantasie - aus diesen Quellen speist sich der Strom seiner Bilder. Heute wird Hanno Edelmann 75 Jahre alt, und sein Haus ist übersät mit Malerei, Druckgrafik und Plastik. Einen winzigen Bruchteil aus diesem Lebenswerk zeigt der Rahlstedter Buchhändler und Galerist Peter Blänsdorf anläßlich des Geburtstags des von ihm schon seit langem betreuten Künstlers.
Edelmann bezeichnet sich als Menschenmaler, bei dem die Landschaft nur dann zu finden ist, wenn ihr „Erlebnis ganz toll war". Mehr beeindrucken ihn die Beziehungen zwischen einzelnen Personen oder innerhalb von kleinen Gruppen. Sie sitzen meist in sich versunken da, mit träumerischer Miene, und nur ihre Körperhaltung, die Neigung des Kopfes oder eine Geste lassen ahnen, daß sie in psychischer Korrespondenz stehen.
Das Unausgesprochene, Andeutende in diesen Bildern wird unterstützt von einem fast transparenten Farbgewebe, das dennoch eine höchst intensive Ausstrahlung besitzt. Das Lokalkolorit verliert dabei seine Bedeutung. Jedes Bild ist auf einen Farbakkord gestimmt. Auch das grelle Rot gehört immer noch dazu, wie schon vor Jahrzehnten, als Edelmann sein Herz an Griechenland verloren hatte.
„Meine geheime Sehnsucht aber war immer Italien, doch ich fürchtete mich vor dem riesigen Kulturerbe", sagt Edelmann. Seit er es 1979 trotzdem wagte, seinen Fuß nach Venedig zu setzen, hat er nur noch Sinn für dessen berühmtes Licht, unter dem sich die zuvor dunkle Schwere seiner Farben aufhellte. Und er begab sich auf Neuland, auf das Gebiet der Plastik. Auch hier kreist sein bildnerisches Denken nur um die menschliche Figur und das Porträt, für das bei Blänsdorf exemplarisch eine kongenial empfundene Büste Horst Janssens steht. Schweriner Straße 12, bis 31.12., mo-fr 10-18, sbd 10-14 Uhr.
Hamburger Abendblatt vom 18.11.1998 zurück